Das Schweigen in meinem Kopf von Kim Hood

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Die 13-jährige Jo lebt mit ihrer psychisch kranken Mutter zusammen und hat es sowohl privat, als auch in der Schule nicht besonders einfach. Sie versucht auftretende Probleme selbst zu stemmen, um zu verhindern, dass es ihrer Mutter schlechter geht und verzichtet deshalb auf vieles. Um Mitschülern aus dem Weg zu gehen, wird sie Teil eines Sozialprojektes, in dessen Rahmen sie den körperlich und geistig behinderten Chris kennenlernt, der sich nicht verbal verständigen kann. 

Was diese besondere Freundschaft in beider Leben bewirkt, ob und wie die beiden sich doch „unterhalten“ können und wie sich die Situationen der Charaktere durch diese einzigartige Freundschaft verändern, muss man einfach selbst lesen. 
 
Mich hat das Buch nicht nur einmal überrascht und bereits von der ersten Seite an sehr begeistert. Kim Hood schafft es, den Leser direkt in die Geschichte zu „saugen“ und man befindet sich unmittelbar in Jos Leben, die gerade an den einzigen Ort geht, an dem sie es sich erlauben darf, schwach zu sein. Ihr Leben ist an vielen Stellen wirklich nicht einfach. Jos teilweise noch kindliche Naivität steht im krassen Gegensatz zum Leben mit ihrer Mutter und zu der Stärke, die sie für ihre Mutter aufbringt. Jo weiß, wofür es sich lohnt zu kämpfen und hat mich mit ihrer Stärke letzten Endes wirklich beeindruckt. Kim Hood schafft es einfach wirklich trotz der Stärke, die Jo aufgrund ihrer Lebenssituation abverlangt wird, das Kind in ihr zu bewahren, das auch mal falsche Entscheidungen trifft und Fehler macht und trotzdem an ihren Überzeugungen festhält. 
 
Die Entwicklung, die die Charaktere im Laufe der Geschichte durchmachen, ist einfach wunderbar mitzuerleben und es war ein wirklich kurzweiliges, einfach wundervolles Buch, das ich zu gerne las. 
Ich würde es nicht nur Jugendlichen ab 12 Jahren empfehlen, sondern auch älteren Lesern, die sich mit Themen, wie zum Beispiel „anders sein“, „das Richtige tun“ und „Wahre Freundschaft“ beschäftigen möchten.  Ganz große Klasse, ich habe wirklich nichts zu meckern und vergebe deshalb nach längerem Überlegen 5 Sterne. Für mich war die Geschichte einfach stimmig und hilfreich und ich möchte es hier auch gar nicht mit sonstigen bisherigen Lesehighlights für dieses Jahr vergleichen. Das Buch hat in mir einfach genau die Dinge ausgelöst, die ich mir beim Lesen wünsche: Ich habe mit den Charakteren gelitten, gelacht und geweint – es war einfach ein super schönes, wenn auch teilweise traurig, aber schließlich ein absolut lebensbejahendes Buch!  
 
Titel: Das Schweigen in meinem Kopf 
Verlag: cbj
Autor: Kim Hood 
Seiten: 284
Erscheinungsdatum: Heute! 14.Juli 2014 🙂 
Sterne: 5 von 5 Sterne
Besonderheiten: Sofortiges eintauchen, starke Charaktere, noch stärkere Geschichte! 
 

Love Letters to the Dead von Ava Dellaira

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Als ich das Cover zu „Love Letters to the Dead“ Anfang des Jahres zum ersten Mal sah, wurde ich direkt neugierig und auch die Beschreibung gefiel mir auf Anhieb sehr. Manchmal lasse ich mich aber abschrecken, wenn ich das Gefühl habe, dass es sich um ein Buch handelt, das besonders in der Buchblogger und -videowelt irgendwie alle lesen und es gerade ‚gehypt’ wird. So dauerte es ein paar Monate bis ich das Buch doch in die Hände bekam und nun heute, am 24. Juli auf einer langen, sehr langen, Zugfahrt an einem Stück durchlas.

Es geht um Laurel, die nach dem Tod ihrer Schwester May auf eine neue Schule wechselt, um einen Neuanfang zu starten. Ohne dass sie jemand dort kennt, versucht sie neue Freunde zu finden, was ihr anfangs jedoch nur schwer gelingt. Mit etlichen Gedanken und im Kampf mit den Gespenstern der Vergangenheit, bekommt Laurel schließlich im Englischunterricht die Aufgabe, einen Brief an eine verstorbene berühmte Persönlichkeit zu schreiben. Daraus entsteht ein Langzeitprojekt, in dem sie zahlreiche Briefe an zum Beispiel Kurt Cobain, Janis Joplin, Judy Garland schreibt. Neben der packenden Geschichte einer Familie, der das Schicksal wirklich schwer mitgespielt hat, entwickelt sich nicht nur Laurels Leben immer weiter, sondern wir als Leser finden immer mehr über ihre Vergangenheit raus bis sich schließlich ein schlüssiges Bild ergibt. Schonungslos erfahren wir von Schicksalen und Ereignissen. Jeder, der auch nur ein bisschen Empathie in sich trägt, wird nicht anders können als auf diesen knapp 400 Seiten mit den Protagonisten Höhen und Tiefen zu durchleben.

Ava Dellaira hat mit Laurel und ihren Freunden eine handvoll Menschen „erschaffen“, mit denen ich wirklich wunderbare Stunden verbracht habe. Neben der Geschichte von Laurel, die wir als Leser von Seite zu Seite besser kennenlernen und zunehmend Zusammenhänge verstehen, gibt es hier weitere, sehr interessante Handlungsstränge. Wird Laurel es schaffen ihre neuen Freunde zu halten und ihren Schwarm Sky für sich zu gewinnen? Und was noch viel wichtiger ist: Schafft Laurel es mit der Vergangenheit abzuschließen und in eine glücklichere Zukunft zu starten?

Als ich zu lesen begann war ich zuerst etwas skeptisch, weil ich viele der Persönlichkeiten, an die Laurel schreibt, nicht wirklich kannte. Ehrlich gesagt habe ich zwar vorher schon einmal von Amelia Earhart oder John Keats gehört, aber so wirklich etwas damit verbinden konnte ich nicht und dachte dann ich würde das Buch nicht verstehen – falsch gedacht. Ava Dellaira bringt Laurels Geschichte in direkte Verbindung mit den Lebensgeschichten der angeschriebenen Persönlichkeiten und oft dachte ich beim Lesen „Ist ja total verrückt, dass sich Laurels Eltern auf die gleiche Weise geschieden haben, wie die von Amy Winehouse“ bis ich dann wieder darüber nachdachte, dass es sich hier um eine Geschichte handelt und die Protagonisten extra für diese geschaffen wurden. Und genau das ist es doch, was wir beim Lesen haben wollen. Ich persönlich erkenne einen großen Mehrwert beim Entdecken „neuer“ Persönlichkeiten, Filmen, Gedichten oder Liedern, denen ich im Anschluss an das Buch auf jeden Fall einmal auf die Spur gehen und mich genauer damit auseinandersetzen möchte. Im Moment gefallen mir solche Bücher sehr, bei denen ich weiter recherchieren und mich mit den Inhalten beschäftigen kann.  

Ich habe gelacht und geweint, gelitten und mich gefreut. Das ist genau das, was mir das Lesen gibt und warum ich es seit ich ein Kind bin so sehr mag. Also seht dieses sehr gern als große Leseempfehlung.

Titel: Love Letters to the Dead
Seitenzahl: 407
Zu einer 40-seitigen Leseprobe gelangt ihr hier

Ava Dellaira wurde in Los Angeles geboren und lebt heute in Santa Monica. Dort schreibt sie an ihrem zweiten Buch, auf das ich mich riesig freue. Auf ihrer Homepage können Leser auch selbst Love Letters hinterlassen, viele schreiben dort an ihre Großeltern oder berühmte Persönlichkeiten, die sie gern mögen. Schaut euch die Homepage allgemein unbedingt an, sie ist so liebevoll gestaltet.